Pierre Cardin

Pierre Cardin

Cardin war das jüngste von sieben Kindern eines Weinhändlers. Nach der Befreiung Frankreichs ging er 1944 nach Paris und begann dort als Modezeichner im Haus Paquin seine Modekarriere und gilt damit heute als der am längsten im Modegeschäft tätige Mensch der Welt.



pierre cardin logo

Jean Cocteaus Film La Belle et la Bête, die Schöne und das Biest

1946 fertigte Cardin dann während seiner dreimonatigen Beschäftigung im Hause Elsa Schiaparellis die Kostüme für Jean Cocteaus Film La Belle et la Bête an.

Danach wollte er eigentlich bei dem von ihm sehr angesehenen Cristóbal Balenciaga anfangen, bekam jedoch keine Anstellung und fing daher 1947 bei Christian Dior an. Dort entwarf er den «New Look» für Frauen, welcher sich vor allem durch weit ausgestellte, verschwenderisch geschnittene Röcke, schmale Schultern und enge Taillen auszeichnete.


1950 gründete er als erster Couturier ein eigenes Haute-Couture-Unternehmen, das hochwertige Konfektionskleidung (Prêt-à-Porter) für den Weltmarkt herstellt. Das Ziel war, modekünstlerisch und verarbeitungsmäßig hochwertige Kleidung auch für ein breiteres Publikum erschwinglich zu gestalten. Seine Damenmode aus dieser Zeit zeichnete sich trotz Eleganz vor allem durch Einfachheit und Alltagstauglichkeit aus.

Ein Jahrzehnt später entwarf Cardin als erster großer Modemacher auch Linien für Männer.

mode zuschnitt

bahnbrechende mode

Cardin wirkte ebenfalls in Fragen der ökonomischen Umsetzung von Mode bahnbrechend; so war er der Erste unter den maßgebenden Modeschöpfern, der seine Marke umfassend für das Lizenzgeschäft nutzte und dies bis heute noch tut. Er vergibt den Namen Cardin an diverse Lizenznehmer und kreiert auch die jeweiligen Produkte. Nach eigenen Angaben erstellt er noch heute jährlich etwa hundert Design-Zeichnungen für seine Kunden. Von Cardin entworfene Unterwäsche wird auch von Discountern wie etwa bei Lidl vertrieben.

Bereits in den 1970er-Jahren knüpfte er erste Kontakte zur Volksrepublik China, mit dem Erfolg, dass er 1995 einen Vertrag mit der chinesischen Regierung abschließen konnte zwecks Herstellung von Uniformen für Armee, Polizei und Post. Weitere Verträge über Uniformen mit anderen Ländern schlossen sich an.


pierre cardin und tisch

uniformen china

Cardins Geschäftstüchtigkeit ist beispiellos, denn sie blieb nicht auf die Mode beschränkt. Es gibt kaum einen Artikel aus dem Konsumgüterbereich, der nicht mit seinem Label hergestellt wurde: „Armbanduhren, Tisch-, Bett- und Frottierwäsche, Porzellan, Keramik, Essbestecke, Möbelstoffe, Transistorengeräte, Plattenspieler und Autointerieur“. Im Automobilbereich erschien Cardins Name am Modell AMC Javelin (1973), am Sbarro Stash (1976) und am Cardin Evolution I (1980). Ab den 1970er-Jahren machte er Möbeldesign, bunt lackierte Bugholzmöbel in geometrischem Stil, die sogenannten «sculptures utilitaires» (Gebrauchsskulpturen). Zu seinen Mitarbeitern gehörte hier Philippe Starck.

Der Weg zum Erfolg

Der französische Modedesigner Pietro Cardin wurde 1922 im italienischen San Biagio di Callalta geboren. Schon früh begann der Sohn eines Weinhändlers, im Modebusiness zu arbeiten. Bereits als 14-Jähriger lernte Cardin als Lehrling bei einem Kleidermacher, die Grundkenntnisse von Modedesign und Konstruktion. 1939 ging er nach Vichy, um dort bei einem Schneider Kostüme für Damen zu fertigen.

1945, Ende des zweiten Weltkriegs, zog Cardin nach Paris, wo er im Hause Paquin eine Anstellung als Modezeichner bekam. Bereits wenige Monate später begann er bei Elsa Schiaparelli zu arbeiten. Noch im gleichen Jahr wurde Cardin von dem Filmemacher Jean Cocteau engagiert, um die Kleider für den Film „La belle et la bête“ (Die Schöne und das Biest) zu entwerfen. 1946 wurde er bei Christian Dior eingestellt, der sein Modehaus gerade erst gegründet hatte. Gemeinsam entwarfen sie den „New Look“, der die Weiblichkeit der Frauen neu betonen sollte.

pierre cardin unterschrift

Obwohl Cardin diesen neuen Stil mit kreierte, wurde der Designer kurze Zeit später bekannt für seine Entwürfe, die einen gegenteiligen Effekt erzeugen. Seine Schnitte waren flächig und geometrisch und passten sich damit nicht der weiblichen Silhouette an.

1950 verließ Pierre Cardin Dior und gründete sein eigenes Modeunternehmen. Er begann zunächst Kleidung für Bühnenshows zu entwerfen, bis er sich nach und nach einen Kundenstamm aufgebaut hatte. Sein ehemaliger Arbeitgeber Christian Dior half ihm dabei, indem er Klienten, für dessen Aufträge er keine Zeit hatte, an Cardin verwies.

1953 veröffentlichte er seine erste Frauenkollektion und wurde Mitglied des „Chambre Syndicale“, einer Verbindung von Haute Couture Designern. Ein Jahr später eröffnete Cardin seine erste Boutique Eve, in der er Frauenbekleidung vertrieb. Noch im gleichen Jahr konnte er mit seinem Bubble Dresses großen internationalen Erfolg feiern. 1957 eröffnete Cardin schließlich auch eine Herrenboutique mit dem Namen Adam.

Pierre Cardin war einer der ersten Modedesigner, die ihre hochwertige Konfektionskleidung für die breitere Masse zugänglich machten. Zuvor wurde Couture nur exklusiv für private Kunden angefertigt.

space age look

In den 60er Jahren begann Cardin Kleidung, inspiriert von der Wissenschaft, zu entwerfen. Damit kreierte er einen Trend, der später als „Space Age Look“ bekannt wurde. Zudem gab es im Hause Cardin ab 1966 eine Kinderkollektion.

Cardins war einer der ersten Designer, der seinen Markennamen für zahlreiche Lizenzgeschäfte nutzte und damit seinen geschäftlichen Instinkt unter Beweis stellte. Zu Beginn wurde er für seine zahlreichen Lizenzgeschäfte kritisiert, aber schon bald taten es ihm andere gleich. Alle seine Produkte tragen Namen und Logo des Modeunternehmens und haben das Haus Cardin zu einem Imperium gemacht.

Mittlerweile zählen Konsumgüter, wie Armbanduhren, Tisch-, Bett- und Frottierwäsche, Porzellan, Möbelstoffe, Autointerieur, Uniformen für Armee, Polizei und Post in China, Nahrungsmittel, Mineralwasser und vieles mehr zu seinem Repertoire. 1981 kaufte Cardin sein erstes Restaurant, das Maxim´s in Paris. Weitere Dependancen auf der ganzen Welt folgten und bald gehörte auch eine Reihe von Maxim´s Hotels zu seiner Firma.

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